Wir fahren von Teheran mit dem Zug nach Kashan, aber erst mal müssen wir mit dem Taxi quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof. Das kostet, genau wie der Zug, irgendwas zwischen drei und vier Euro. Wir haben von Anahitas Mutter noch eine Flasche unseres neuen Lieblingsgetränks Tokhme Sharbati bekommen, das ist Wasser mit Basilikumsamen, Sharbat (einer Art Sirup) und Zitronensaft. Der Bahnhof ist recht modern und mit allerhand Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Als erstes müssen wir unseren Pass der Polizei vorlegen und Anahita muss (wie so oft) ihr Verhältnis zu uns erklären. Dann müssen wir an einer anderen Stelle unsere Tickets vorzeigen und werden zu einem Drehkreuz geleitet, das direkt unserem Gleis zugehörig ist. Im Zug ist die Klimaanlage auf Stufe Turbo gestellt und mit uns im Abteil sitzt ein Mädchen mit schwerem Liebeskummer. Anahita kümmert sich ein wenig um sie und sichert uns damit direkt einen Schlafplatz in unserer übernächsten Destination Yazd. Ich komme nicht umher, mir vorzustellen, wie dieselbe Situation in Deutschland abgelaufen wäre – nicht nur, dass bei uns die Wenigsten einfach fremde Leute zu sich nach Hause einladen würden, wenn es doch passieren würde, wäre man wohl misstrauisch. Hier ist es einfach das Normalste der Welt und wird nicht weiter hinterfragt. Später kommen wir auch an einem Laden vorbei, wo wir Melone und Wasser kaufen und Anahita fragt den Verkäufer, ob wir uns bei ihm die Hände waschen können, woraufhin er antwortet, dass wir auch in seine Wohnung kommen und bei ihm duschen dürften. Die iranische Gastfreundschaft ist also kein Gerücht.

Deep Talk

Farbpalette blau-gelb

In Kashan laufen wir erst mal gegen eine Wand, denn zwischen Zug- und Außentemperatur liegen über 20 Grad. Wir beschließen deshalb auch, uns erst mal in einem sehr netten Restaurant zu stärken und dort unsere Rucksäcke zu lassen. Dann besichtigen wir eines der historischen Häuser, für die Kashan bekannt ist. Es hat schöne Verzierungen und einen idyllischen Hinterhof, aber sehr viel mehr auch nicht. Anschließend wollen wir zum Basar, der allerdings geschlossen hat, weshalb wir stattdessen noch einen Abstecher zum Bāgh-e Fin machen, einem wirklich schönen Garten mit darin eingeschlossenem Hammam. Das Klima dort tut ziemlich gut, denn es ist angenehm schattig und durch die vielen Wasserbecken nicht so trocken wie sonst überall. Wir haben leider nicht wahnsinnig viel Zeit dort, denn die Weiterfahrt ist schon organisiert.

Kuppel

Bāgh-e Fin

Wir holen noch zwölf große Flaschen Wasser und dann geht es mit einem in die Jahre gekommenen Nissan-Geländewagen in die Wüste. Außer uns machen das auch noch etwa acht bis zehn andere Touris, vermutlich hauptsächlich weil diese Nacht Meteoritenschauer ist. Wir werden für den Sonnenuntergang an einer großen Düne abgeworfen, während die „Guides“ das Camp installieren (Anführungszeichen deshalb, weil sie eigentlich nur fahren, Zelte aufbauen und Kebab grillen). Ich habe ein wenig Sonnenstich und kann das Abendessen nicht wirklich genießen, was von einem wahnsinnig anstrengenden Holländer (Alleinreisender und Alleinunterhalter) noch passend untermalt wird. Aber mit dem Anbruch der Nacht und den minimal kühleren Temperaturen steigert sich auch wieder mein Gemütszustand. Wir legen uns auf eine Düne, hören Musik und beobachten die Sternschnuppen. Leider ist die Stadt trotz 90 Minuten Fahrt noch ein bisschen präsent und es herrscht keine absolute Dunkelheit. Insgesamt ist das Wüstenstück nicht sonderlich schön, es sind eher vereinzelte Dünen auf einer großen Fläche und es wachsen überall kleine trockene Büsche. Aber das ist eigentlich gar nicht so wichtig, weil es auch ganz angenehm ist, einfach im Sand zu liegen, über unsere vergangenen musikalischen Phasen zu sprechen und dabei die Lieder aus ebendiesen zu hören. Irgendwann ziehen Wolken auf und der Mond kommt raus, was das Sterne-Beobachten unmöglich macht. Aber es ist auch schon spät und wir verschwinden ins viel zu warme Zelt.

Fahrt zur Wüste

Posing

Sternenhimmel ohne Sternschnuppe

Wir werden 7:30 Uhr von brütender Hitze und irgendeinem blöden Kommentar unseres Lieblings-Holländers geweckt, frühstücken noch im Schatten des Autos und fahren dann weiter in Richtung Abyaneh. Auf dem Weg kommen wir an einer nuklearen Forschungsstation des Militärs vorbei, bei dem uns die Taxifahrerin noch einmal ausdrücklich darauf hinweist, dass wir hier auf keinen Fall Fotos machen dürfen. Das Dorf Abyaneh, ein „Relikt des alten Persiens“, wie es in dem Besucherprospekt angepriesen wird, wirkt sofort sympathisch, aber bevor wir uns auf Entdeckungstour machen, müssen wir noch kurz entspannen. Wir gönnen uns jeder ein Omelette und eine Cola in einem kleinen Restaurant, das gleichzeitig eine Unterkunft ist und nehmen dort auch direkt spontan eine Gästewohnung. Ursprünglich war der Plan, den Tag in Abyaneh zu verbringen und abends zu einem Bekannten von Anahita in ein anderes Dorf zehn Kilometer weiter zu fahren. Aber duschen und drei Stunden schlafen ist die beste Idee, um den Ort überhaupt genießen zu können. Nachmittags verlassen wir dann wieder das Haus und die heißeste Phase des Tages ist schon vorüber. Das Dorf liegt auf 2500 Metern Höhe, was sich in keinster Weise bemerkbar macht, außer dass es ein paar Grad Kühler ist – Bäume gibt es hier auf jeden Fall mehr als im Flachen Land. Wir spazieren durch enge Gassen zwischen Lehmhäusern und außer ein paar alten Frauen ist so gut wie niemand auf den Straßen. Wir laufen noch den Hügel hoch zu einer alten Festungsruine, von wo aus man einen großartigen Blick auf das Dorf und die umliegenden Berge hat. Nach dem Abendessen in einem traditionellen Restaurant an einer Wassermühle gehen wir zurück in unser kleines Apartment und machen den restlichen Abend nichts.

Abyaneh

Chiller

Er schmeißt den Laden!

Überblick

Ein gefallener Soldat aus dem Iran-Irak-Krieg

Gemütlichkeit!