Ankunft in Vietnam: Dien Bien Phu – Sapa – Hanoi

Der Bus fährt von Muang Khua gute zwei Stunden bergauf, wo sich mitten in den Bergen die vietnamesische Grenze befindet. Der Papierkram verläuft recht geradlinig, wir haben ja unser Visum schon. Kurz nach der Grenze geht es wieder bergab Richtung Dien Bien Phu. Schon im Bus wird klar, die Vietnamesen sind ein komplett anderes Völkchen als die Laoten. Sie sind laut und direkt, manchmal ein wenig anstrengend, aber irgendwie auch witzig. In Dien Bien Phu dann der klare Schlussstrich der laotischen Entspannung. Der Verkehr und das endlose Gehupe erinnern an Bangkok, nur dass Bangkok eine Hauptstadt mit über sechs Millionen Einwohnern ist und Dien Bien Phu ein 70.000-Seelen-Städtchen. Zum Glück haben wir hier nur einen Zwischenstopp, um 18:30 Uhr mit dem Nachtbus weiter nach Sapa zu fahren und zwischen bergigen Reisterassen zeitlose Dörfer zu besuchen. So ist zumindest der Plan.

Der Nachtbus hat Sitze, die sich fast komplett in die Horizontale umlegen lassen. Sie sind groß genug, dass eine durchschnittliche vietnamesische Frau sich ausgestreckt hinlegen kann. Wir fahren keine Stunde, da hält der Bus an. Er sei kaputt, sagt der Busfahrer. Unser Gepäck wird schon in einen zweiten Bus verlagert, wir folgen ihm ratlos und werden in dem anderen Bus wieder in unsere Liegen eingewiesen. Aus irgendeinem Grund ist es der Busgesellschaft sehr wichtig, dass alle Touristen eine Liege haben, während sich etwa 20 Vietnamesen im Gang bequemen müssen. Keine Ahnung, vielleicht sind sie das ja gewohnt. Die Klimaanlage ist auf gefühlte zehn Grad eingestellt und ich habe keine Decke, viel Schlaf ist nicht drin. Wir kommen gegen 5:30 Uhr in Sapa an, wo uns ein paar H’mong-Frauen empfangen, die ziemlich große Lust haben, Geld an uns zu verdienen. Die Stadt ist komplett ausgestorben, alle Häuser mit Rolladen abgesperrt, Sichtweite ungefähr 20m, Temperatur 7°C. Wir finden mit der Hilfe dreier junger Vietnamesen eine Unterkunft, die extra für uns aufmacht und in der es genauso kalt ist wie draußen. Im Laufe des Tages ändert sich leider nichts an dem Wetter. Wir gehen über Märkte, werden immer wieder von geschäftstüchtigen Minderheiten umzingelt, aber der eigentliche Grund unseres Besuches fällt flach, weshalb wir gleich für den nächsten Abend den Bus nach Hanoi buchen. Zweimal lässt sich für ein kurzes Zeitfenster tatsächlich die Umgebung erahnen und der Blick ist wunderschön.

Unser Bus hat bei der Ankunft in Hanoi zwei Stunden Verfrühung, wir sind also 4:30 Uhr in einer fremden Stadt, unsere Unterkunft lässt uns nur unser Gepäck abstellen und wir müssen noch eine Weile durch die Altstadt gehen. In den folgenden zweieinhalb Stunden erleben wir, wie Hanoi langsam aufwacht. In den engen, dunklen Gassen wird gekocht, es werden Schweine zerteilt und einige Frauen reißen sich an der Wühlkiste auf dem großen Markt um Jacken und Taschen. An einem gut besuchten Straßenstand bestelle ich eine Pho (Nudelsuppe), das vietnamesische Nationalgericht. Der Verkäufer fragt zwei, drei Dinge auf vietnamesisch, von denen ich nur „Phở?“ verstehe und ich bejahe einfach alles. Erst kommt die Nudelsuppe mit Rindfleisch, dann kippt mir der Verkäufer noch einiges an Knoblauchsoße rein und kommt dann noch einmal mit einem Schmalzgebäck, was er zerteilt und in meine Suppe wirft. Ich bestelle mithilfe der Sprach-Abteilung des Reiseführers noch einen Kaffee mit Milch und der Mann freut sich.

Gegen halb acht können wir dann unser Zimmer beziehen und akklimatisieren uns kurz. Als wir zwei Stunden später wieder auf die Straße treten, hat sich das komplette Stadtbild verändert. Der Nudelstand von vorhin ist einem Teppichgeschäft gewichen und ringsum haben alle Läden und Hotels ihre Rolladen geöffnet. Vor uns ist eine Straße von maximal 6m Breite, aber es scheint schier unmöglich, sie zu überqueren. In mindestens fünf Spuren schlängeln sich Mopeds aneinander vorbei, ohne auch nur einen Blick in irgendeine andere Richtung als nach vorn zu verschwenden, begleitet von einem permanenten Hupkonzert. Jede Kreuzung dieser Stadt entwickelt sich zu einer kleinen Schlacht. Ich habe in Buenos Aires mehrmals die breiteste Straße der Welt überquert und im Vergleich hierzu war das eine wahre Wonne. Ich finde ein Elektronikgeschäft, das mir meinen verstaubten und nach dem eigenen Reinigungsversuch auch verschmierten Kamerasensor kostenlos und innerhalb von fünf Minuten säubert – ein guter Tag. Abends treffen wir noch ein letztes Mal in unserer Vierergruppe zusammen, bevor wir uns für die nächsten Wochen aufteilen (Marc alleine, Eva alleine, Johanna und ich zu zweit). Wir sitzen auf kleinen Plastikhockern am Straßenrand in der Altstadt und trinken jeder fünf gezapfte Biere (Bia Hoi, ahoi!) für jeweils 20 Cent. Gute Preise, gute Atmosphäre, da können sich einige deutsche Kneipen mal eine Scheibe abschneiden.

Am nächsten Tag soll es in die Halong-Bucht nach Cat Ba Island gehen, die Tickets hierfür haben wir am Tag davor gebucht und sollten um 11 Uhr an unserer Unterkunft abgeholt werden. Nach einer Weile des Wartens werden wir ungeduldig, unsere Rezeptionistin hilft uns und ruft bei dem Reisebüro an. Wir werden plötzlich in ein Taxi gesteckt und verstehen nicht genau, was geschieht. Das Taxi fährt uns zum Busbahnhof, wo eine Mitarbeiterin des Reisebüros auf uns wartet, das Taxi bezahlt und mit uns zu den Bussen geht. Sie rennt von Bus zu Bus, versucht, etwas zu klären und muss uns dann mitteilen, dass wir heute nicht mehr nach Cat Ba kommen. Sehr ärgerlich. Wir bekommen am Telefon eine Erklärung von der Frau, bei der wir am Tag zuvor gebucht haben und der es furchtbar Leid tut. Ihr Sohn musste kurzfristig ins Krankenhaus, weshalb sie vergessen hat, die Buchung weiterzugeben. Sie bezahlt uns das Ticket für den nächsten Tag und unsere zusätzliche Nacht in Hanoi.

 

H'mong - geschäftstüchtiges Völkchen.

H’mong – geschäftstüchtiges Völkchen.

 

Kurze Aussicht auf die Umgebung

Kurzer Blick auf die Umgebung

 

Schweinetransport

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3 Comments

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